Jahresweisung für die

freiwillige Reservistenarbeit 2002

Herausgegeben von: Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr und Beauftragter für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr, Vizeadmiral Rainer Feist

 

Meine Damen und Herren!

Durch Ihr persönliches Engagement haben Sie dazu beigetragen, die freiwillige Reservistenarbeit auch im Jahr 2001 auf dem qualitativ hohen Niveau der Vorjahre zu gestalten. Dafür gilt Ihnen mein besonderer Dank.

Der Bundeswettkampf für Reservisten 2001 wurde nach dreijähriger Pause im Wehrbereich I Küste gemeinsam mit dem Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr erfolgreich ausgerichtet. Dabei haben mich die hohe Motivation der Wettkämpfer und die reibungslose Organisation bei weitgehender Vorbereitung und Durchführung durch Reservisten besonders beeindruckt.

Die freiwillige Reservistenarbeit im Jahre 2002 stelle ich unter das Leitthema

"Neuorientierung der freiwilligen Reservistenarbeit".

Öffentlichkeitsarbeit und Information erfolgen im Wettbewerb mit und in Konkurrenz zu anderen Organisationen. Die Einnahme der neuen Streitkräftestruktur erfordert intensive Betreuung der betroffenen Reservisten. Dies setzt enge Zusammenarbeit mit dem Reservistenverband auf allen Ebenen voraus. Nach dem Unterstellungswechsel der territorialen Wehrorganisation nimmt die Streitkräftebasis die Pilotfunktion für die freiwillige Reservistenarbeit gegenüber den anderen militärischen Organisationsbereichen wahr. Die Umstrukturierung von sieben auf vier Wehrbereiche vergrößert die Leitungsspanne und erfordert mehr Aufwand für Planung und Koordinierung der freiwilligen Reservistenarbeit.

Der künftige Personalumfang zwingt uns auch zu einer Neuordnung der Binnenstruktur der Verteidigungsbezirkskommandos – Ziel muss es sein, dabei die flächendeckende Betreuung unserer Reservisten durch die Feldwebel für Reservisten in der Fläche zu erhalten. Der Reservistenverband hat mit interner Umstrukturierung begonnen und seine Geschäftsstellenstruktur neu geordnet. Das Generalsekretariat führt nunmehr unmittelbar die 16 Landesgeschäftsstellen. Die Landesorganisationsleiter von Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Berlin und Bayern sind mit besonderen Befugnissen ausgestattet, um als Ansprechpartner des Reservistenverbandes die freiwillige Reservistenarbeit mit den Wehrbereichen zu koordinieren. Nach Unterstellungswechsel des Truppensanitätsdienstes in den Zentralen Sanitätsdienst erfordert die sanitätsdienstliche Unterstützung bei allen Vorhaben neue Ansätze. Nach Inkraftsetzung einer neuen Reservistenkonzeption wird die "Richtlinie für die freiwillige Reservistenarbeit" überarbeitet und den neuen Gegebenheiten angepasst.

Sicherheitspolitische Arbeit

Die sicherheitspolitische Arbeit steht auch künftig im Vordergrund. Es kommt darauf an, nicht auf Neugierige zu warten, sondern Information zu überbringen und auf Reservisten und Bürger zuzugehen. Wo immer sich die Gelegenheit bietet, sollten Arbeitgeber über Rolle und Bedeutung der Reservisten für die Streitkräfte informiert werden, um so mehr Verständnis für die Reservistenarbeit zu wecken. Ich bitte, Inhalte und intellektuellen Anspruch von Seminaren und Vortragsveranstaltungen dem Kenntnisstand der Zielgruppen anzupassen, um möglichst vielen Reservisten den Zugang zur freiwilligen Reservistenarbeit zu ebnen. Die studentische Reservistenarbeit des Reservistenverbandes bedarf weiterhin unserer Unterstützung. An der Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation und am Zentrum für Innere Führung wurden über 60 attraktive Lehrgangsplätze für Reservisten geöffnet. Diese Lehrgänge dienen dazu, teilnehmenden Reservisten Kenntnisse über die Bundeswehr zu vermitteln und sie zu befähigen, mit anderen darüber zu kommunizieren. Ich bitte, diese Lehrgangsplätze möglichst vollständig zu nutzen.

Informationsschwerpunkt ist weiterhin die Reform der Bundeswehr. Folgende Themenbereiche bieten sich besonders für die Informationsarbeit an:

  • Bedrohung durch internationalen Terrorismus,

  • Reform der Bundeswehr von Grund auf,

  • Kooperation Bundeswehr und Wirtschaft,

  • Neuordnung der militärischen Organisationsbereiche,

  • Wandel der Bundeswehr zur Einsatzarmee.

Militärische Förderung

Militärische Förderung ist für viele Reservisten die am häufigsten genutzte Möglichkeit, in Kontakt mit den Streitkräften zu bleiben und sich mit der Bundeswehr zu identifizieren.

Wann immer möglich, sind Anteile der sicherheitspolitischen Arbeit – in Perspektive und Inhalt dem jeweiligen Rahmen angepasst – in Vorhaben der militärischen Förderung zu integrieren. Bei bundesweit nur noch vier Wehrbereichskommandos könnte die Gesamtzahl überregionaler dienstlicher Veranstaltungen sinken. Deshalb muss es unser gemeinsames Ziel sein, einer solchen ungünstigen Entwicklung durch fordernde, attraktive und effiziente Zentral- / Mittelpunktveranstaltungen entgegen zu wirken. Dabei sollten die Grenzen von Verteidigungsbezirken kooperierend überschritten werden, wenn sich dies aufgrund der Entfernungen anbietet. Dieser Ansatz sollte sich auch in den Untergliederungen des Reservistenverbandes durch Zusammenarbeit zwischen Reservistenkameradschaften und über Kreis- und Bezirksgrenzen hinaus durchsetzen. Die taktische Weiterbildung von Reserveoffizieren und Reserveunteroffizieren zur Steigerung ihrer Führungsfähigkeit kann noch intensiviert werden. Neben den Vielseitigkeitswettkämpfen auf Wehrbereichsebene sollten möglichst auch die traditionellen Landeswettkämpfe fortgesetzt werden, um über die regionale Identifikation das Engagement der Reservisten noch mehr zu fördern. Die durch den Reservistenverband angebotenen Unterstützungsleistungen bitte ich, möglichst oft zu nutzen.

Öffentlichkeitsarbeit

Die bewährten Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit sind fortzusetzen. Eine Vielzahl von Veranstaltungen im "Internationalen Jahr der Freiwilligen 2001" hat der Öffentlichkeit Sinn und Inhalt des freiwilligen Dienstes von Reservisten verdeutlicht. Der gemeinsame "Tag der Reservisten" sowie weitere zentrale und dezentrale Aktionstage sollten aufgrund ihrer unmittelbaren Wirkung fortgesetzt werden. Deshalb bitte ich die vom Reservistenverband angesprochenen Truppenteile, den geplanten "Tag der Reservisten" am 12. Oktober 2002 zu unterstützen.

Ausblick

Im Jahr 2002 übernimmt Deutschland die Präsidentschaft der europäischen Reserveunteroffizierorganisation AESOR. Im Juni 2002 wird der AESOR-Kongress in Berlin durchgeführt. Im Jahr 2003 folgen der AESOR-Wettkampf in Warendorf und der nächste Bundeswettkampf, ausgerichtet im Wehrbereich II. Gleichzeitig wird die Präsidentschaft der internationalen Reserveoffizierorganisation CIOR vorbereitet. Für eine weiterhin erfolgreiche freiwillige Reservistenarbeit bitte ich Sie um Ihre konstruktive Mitarbeit.

Feist

Vizeadmiral