Berlin, 28. September 1999

Selbstverständnis des Soldaten

Berufsbild und Selbstverständnis des Soldaten der Bundeswehr haben sich gewandelt. Als Staatsbürger in Uniform fördert der Soldat das Vertrauen der Gesellschaft in die Bundeswehr als einer Armee in der Demokratie. Die Soldaten leisten einen wesentlichen Beitrag zur Vollendung der inneren Einheit Deutschlands, aber auch zur Stabilität Europas. Neben der Freundschaft zu den Streitkräften unserer Partner im Westen ist das Vertrauen und Verständnis durch vielfältige Kontakte zu den Angehörigen vormals gegnerischer Armeen im Osten gewachsen. Die Zusammenarbeit für den Frieden in der Welt unter dem blauen Helm der Vereinten Nationen steht für das neue Miteinander.

Der sicherheitspolitische Wandel hat auch geistig-moralische Konsequenzen für das soldatische Selbstverständnis. Der Soldat von heute und morgen muß sich grundlegend veränderten Bedingungen für den Einsatz stellen. War es zu Zeiten des Kalten Krieges die Logik der Kriegsverhinderung durch Abschreckung, die den Sinngehalt soldatischen Dienstes bestimmte, so erfährt dieses Selbstverständnis jetzt eine positive Erweiterung. Zur Kriegsverhinderung tritt die aktive Friedensgestaltung.

Der Soldat bleibt Verteidiger von Frieden und Freiheit. Er muß kämpfen können und notfalls mit seinem Leben für den Schutz Deutschlands und im Rahmen internationaler Verpflichtungen für andere einstehen. Das ist der sittliche Kern des soldatischen Dienstes, der unverändert gilt. Aber heute steht nicht mehr die Abwehr einer direkten Bedrohung im Zentrum unserer Überlegungen. Heute geht es auch darum, den Ausbruch von bewaffneten Konflikten in anderen Teilen der Welt zu verhindern, Friedensstörer in die Schranken zu weisen, Menschen und Völker aus Not und Gefahr zu helfen und am Wiederaufbau zerstörter Staaten mitzuwirken.