Warum Wehrpflicht?

Die Bundeswehr bleibt sichtbarer Ausdruck der Souveränität unseres Landes und der Bereitschaft unserer Demokratie, sich erforderlichenfalls zu wehren. Unser Land braucht auch in Zukunft Streitkräfte, die den aktuellen Anforderungen gerecht werden und dementsprechend ausgerüstet sind. Die allgemeine Wehrpflicht ist und bleibt dabei Ausdruck der persönlichen Mitverantwortung der Bürger für ein Leben in Frieden und Freiheit..

Freiheit wird nicht vererbt, sondern muß immer wieder durch nachfolgende Generationen neu gefestigt und weiterentwickelt werden. Frieden ist kein Geschenk, sondern muß erarbeitet und gesichert werden. Das geht jeden von uns an.

Seit mehr als 40 Jahren gibt es in der Bundesrepublik Deutschland die Wehrpflicht. Sie ist eine durch Gesetz geregelte Verpflichtung der Bürger. Grundlage für die Wehrpflicht ist der Artikel 12 a des Grundgesetzes. Danach können Männer vom vollendeten 18. Lebensjahr an zum Dienst in den Streitkräften, im Bundesgrenzschutz oder in einem Zivilschutzverband verpflichtet werden.

In Ausnahmefällen können wehrpflichtige junge Männer einen Ersatzdienst leisten. Dieser Ersatz- oder Zivildienst aber ist vom Grundgesetz nicht als alternative Form der Wehrpflichterfüllung gedacht. Vielmehr ist er nur denjenigen Wehrpflichtigen vorbehalten, die den Dienst mit der Waffe aus Gewissensgründen verweigern. Der Wehrdienst ist also die vom Grundgesetz vorgesehene Normalität. So wurde es auch in einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Jahr 1978 bestätigt.

Die allgemeine Wehrpflicht ist Ausdruck der Bereitschaft der Bürger, persönliche Mitverantwortung für den Schutz ihres Gemeinwesens zu übernehmen; denn der Schutz von Freiheit, Recht und Menschenwürde ist Angelegenheit aller Bürger.

Die allgemeine Wehrpflicht verankert die Bundeswehr in der Gesellschaft. Über die Wehrpflichtigen bleibt die Bundeswehr in engem Austausch mit der Bevölkerung, besonders mit der jungen Generation. Die Wehrpflicht schafft so ein hohes Maß an gesellschaftlichem Bewußtsein sowie Interesse an Sicherheits- und Streitkräftefragen in Politik und Gesellschaft. Sie stärkt das Bewußtsein gemeinsamer Verantwortung für unser Land.

Wehrpflicht und Landesverteidigung sind zwei Seiten einer Medaille. Landesverteidigung ist eine staatliche Aufgabe, die im Kern unabhängig von der aktuellen Lage und den Wechselfällen der Geschichte ist. Frieden und Freiheit behält nur derjenige, der zu ihrer Verteidigung fähig und entschlossen bleibt. Daher ist die allgemeine Wehrpflicht auch weiterhin sicherheitspolitisch notwendig. Die notwendige Truppenstärke und die für eine Landesverteidigung erforderliche Aufwuchs- und Mobilmachungsfähigkeit könnten ohne die Wehrpflicht nicht aufrechterhalten werden.

Über die Wehrpflicht erhält die Bundeswehr auch Zugang zu den Fähigkeiten und beruflichen Qualifikationen der jungen Generation. Darüber hinaus schafft sie eine solide Rekrutierungsbasis für die Nachwuchsgewinnung. Aus den Grundwehrdienstleistenden gewinnt die Bundeswehr etwa die Hälfte ihrer Zeit- und Berufssoldaten. Jährlich bietet sich rund 30.000 jungen Menschen die Chance, Berufs- oder Zeitsoldat zu werden.

Staat und Bundeswehr sind sich bewußt, daß die Erfüllung der Wehrpflicht einen erheblichen Einschnitt in die persönliche Lebens- und Berufsplanung junger Bürger bedeutet und Opfer verlangt. Deshalb wird in der Bundeswehr viel dafür getan, daß die Wehrpflichtigen ihre Wehrdienstzeit auch als sinnvoll erleben.